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Sonntag, 12. Juni 2016

Die erste Woche

...ist schon vorbei. Spaß hat es gemacht wieder nach einem Plan zu trainieren. So ist es vor jedem Training wie eine kleine (oder größere) Laufaufgabe die gelöst werden muss. Mir macht das echt Spaß!

Letzten Dienstag gab es den ersten Lauf. Ungewohnt kurz und relativ langsam. Es kamen bei 50 Minuten nur 8,5km zusammen. Ich bin vorher schon eine gefühlte Ewigkeit nicht mehr so kurz gelaufen. Aber im Gesamtbild des Plans stimmt es eben so auch: die Beine und der gesamte Köper sollen auf eine Dauerbelastung gewöhnt werden. Da kann auch mal eine kurze Runde dabei sein.


Zwei Tage später ging es dann an die härteste Trainingseinheit der Woche: Intervalltraining stand auf dem Programm. 10 Minuten Warmlaufen und dann 4 x 6min Tempo im Wechsel mit 5min Trabpausen dazwischen. Zum Schluß ging es dann 10 Minuten Auslaufen auf den Heimweg. Eigentlich wollte ich diese Einheit auf dem Sportpltz im Dorf laufen. Dort gibt es allerdings keine extra Laufbahn und eine Fußballgruppe aus dem ansässigen Verein hatte Training. Da konnte ich also nciht zwischendurch wuseln. Zum Glück gibt es eine ziemlich genau 1km-Runde um den Sportplatz herum ins Nachbardorf. Auf dieser Runde ist es auch weitestgehend flach - kann man also auch zum Intervalltraining Zweckentfremden.

Bereits einen Tag später stand eine einstündige Dauerlaufeinheit auf dem Plan. Ich war zu schnell unterwegs, aber ansonsten alles gut. Heute kam dann der lange Lauf. Der Plan tastet sich über die folgenden Wochen immer mehr an die 3 Stunden-Grenze heran. Heute in der ersten Woche ging es mit einem zweistündigen Lauf los. Laut Plan recht locker aber ohne Getrödel - die Pace sollte so um die 5:53min/km liegen. 

Ich hatte gestern noch meine neuen Schuhe geliefert bekommen und nahm also die Hoka One Ones heute direkt für den langen Lauf. Und was soll ich sagen: ich bin begeistert. Nachdem ich mich nach ca. 8 Kilometern an den leicht unterschiedlichen Bewegungsablauf (mehr über den Vorfuß bzw. Mittelfuß) gewöhnt hatte, ging das Tempo plötzlich ab! Am Ende war ich dann einen Halbmarathon gelaufen knapp unter 2 Stunden und hatte mich dafür gar nicht einmal verausgabt!


Einen Testbericht über die Schuhe liefere ich hier selbstverständlich nach, wenn ich ein wenig mehr Kilometer damit runter habe.

Donnerstag, 2. Juni 2016

Lauf zwischen den Meeren 2016

Schon vor ca. 2 Jahren wurde ich - damals bei meinem alten Arbeitgeber im Intranet - auf den Lauf zwischen den Meeren aufmerksam. Der Lauf ist ein Staffellauf in Norddeutschland. Über 10 Etappen geht es von der Nordsee zur Ostsee, genauer gesagt von Husum nach Damp. Die Veranstaltung ist riesig. In den letzten Jahren nehmen jedes Jahr über 700 Staffeln teil.

Das Ziel in Damp - morgens gegen 7 Uhr noch 2 Stunden vor dem Start

Mein damaliger Arbeitgeber suchte damals Läufer, die auf 10 Kilometer schneller laufen als 40 Minuten. Nicht meine Preisklasse... Aber das Interesse am Lauf blieb. 
Vor meiner Laufleidenschaft war ich Cheerleader. Aus dieser Zeit habe ich noch einige Freunde und Kontakte über Deutschland verteilt. Irgendwann im letzten Jahr chattete ich wieder einmal mit Steffi, der Trainerin der Lights Cheerleader aus Kiel. Auch sie ist mittlerweile mit dem Laufvirus infiziert und hat schon einiges an Langstreckenerfahrung. Im Gespräch erwähnte sie, dass die Lights wieder einen Auftritt haben werden beim Lauf zwischen den Meeren. Und schnell war die Idee geboren, doch selbst mit einer Staffel teilzunehmen. Es galt dann halt nur Mitläufer zu finden.

Es fanden sich schließlich neun Leute aus dem "Dunstkreis" der Lights - Freunde und Bekannte und auch Aktive, die sich bereit erklärten mit zu laufen. Steffi übernahm freundlicherweise die Orga und so konnte der Lauf kommen!

Bereits am Freitag reisten wir in Kiel an. Samstag früh ging es dann für einen Teil unserer Staffel mit dem Auto nach Damp. Hier fuhren Transferbusse ab, um die Massen der Läufer an die einzelnen Etappenpunkte zu bringen. Genaues Timing war gefragt, damit auch jeder seinen Etappenort rechtzeitig erreichte. Einer unserer Staffelläufer hatte in Damp mit dem Wohnmobil campiert und so konnte man wenigstens mit einem Kaffee auf seinen Transfer warten.

Warten auf den Transferbus in Damp
Um 9 Uhr morgens fiel in Husum der Startschuß und die Läufer machten sich auf den Weg. Die Etappen beim Lauf zwischen den Meeren sind unterschiedlich lang. So kann man die Etappen aufteilen und den Bedürfnissen den Läufern recht passabel anpassen. Im Einzelnen sind die Etappen zwischen 7,1km und 11,5km lang. Nach und nach kamen die Wechsel-Meldungen über eine eigens eingerichtete Whatsapp-Gruppe unserer Staffel rein und der eigene Start rückte näher. Endlich - nach der ganzen Warterei!

Warten auf den Start meienr Etappe in Fleckeby
Da uns ein Läufer fehlte, hatte ich mich zu gern bereit erklärt zwei Etappen zu laufen. Meine beiden Etappen waren die siebte und die achte Etappe. In Fleckeby wartete ich also auf Freddy. Ihn hatte ich erst kurz vorher kennengelernt und hoffte ihn in der Eile des Wechselbereichs auch schnell zu erkennen. Es klappte aber wunderbar und zügig ging es auf meine erste Etappe.

Ich lief zügig vom Sportplatz in Fleckeby weg und lies auch schnell das angrenzende Wohngebiet hinter mir. Durch ein Waldstück ging es hindurch und ich fand mich plötzlich auf Feldern wieder, die ziemlich warm waren in der Frühlingssonne. Hier gab es nach knapp 2,5km eine erste kleine Steigung. Das erste Mal machte es sich hierbei bezahlt bzw. bemerkbar, dass ich da ganz andere Hügel gewohnt bin. Einige Mitläufer fielen merklich zurück. Überhaupt sammelte ich auf meinen beiden Etappen eigentlich die ganze Zeit Läufer um Läufer ein und wurde auch nur zweimal selbst überholt. Das gab ein gutes Gefühl und das Selbstvertrauen hielt das Tempo hoch.

Durch schöne Landschaften und kleine Örtchen ging es nun auf Gammelby zu. Mein erstes Etappenziel war nach 9,3km erreicht. Es machte mir ausgesprochen Spaß über die Ziellinie zu flitzen, den Staffelstab fest in der Hand, und in vollem Tempo durch die Wechselzone zu düsen. Nur keine Zeit verschwenden - für mich ging es ja gleich auf die zweite Etappe. Die achte Etappe ist mit 7,1 km die kürzeste Etappe des Laufs. Dafür hat sie es - zumindest für die Norddeutschen - in sich mit Steigungen. Zwischen Kilometer 2 und 6 der Etappe geht es immer wieder kurz bergan. Die heftigste Steigung kommt dann nach ca 4,5km der Etappe. Über eine guten halben Kilometer zieht sich eine Steigung hin. Oben angekommen ist es allerdings nicht mehr weit zum Ziel der Etappe und ich nehme die Beine quasi in die Hand und versuche noch einmal alles herauszuholen. Es gelingt und mit einer durchschnittlichen Pace von um die 4:54min/km sind die beiden letzten Kilometer für mich die schnellsten meines Runs.

Angekommen im Wechselbereich bei Gut Hemmelsmark entdecke ich Markus und übergebe den Staffelstab. Keine Zeit für große Reden, Markus flitzt los. Ich sammel derweil meine Klamotten ein, die vom Fahrdienst an das Etappenziel gebracht wurden und melde in der Whatsapp-Gruppe meine Ankunft und Markus´ Start.

Der Versuch per Pendlerbus rechtzeitig zurück in Damp am Ziel zu sein geht leider schief. Der Busfahrer kennt sich dummerweise nicht aus, verfährt sich und lässt uns schließlich am Strand raus - allerdings ca. 3km Fußweg vom Ziel entfernt. Ich versuche noch mit Gepäck so schnell wie möglich am Ziel zu sein, sehe aber unterwegs unseren Schlussläufer Lukas vorbei wetzen und gebe resigniert auf. Schade - gerne wäre ich wie geplant mit den anderen gemeinsam ins Ziel gelaufen. So schlendere ich dann bis zum Ziel und treffe dort die anderen.

"Circle of Lights" im Ziel in Damp
Nach 8 Stunden und 50 Minuten ist unsere Staffel im Ziel. Eine ganz ordentliche Zeit für die 95,5km - und sogar fast 20 Minuten schneller als wir vorher kalkuliert hatten. Es war wirklich eine tolle Erfahrung bei einer großartigen Veranstaltung. Das Team war spitze und alle haben sich gut verstanden. Alles in allem ein rundum gelungenes Wochenende!

Samstag, 23. April 2016

Spendenlauf "Rund um Siegburg" mit Heinz Jäckel

Heinz Jäckel ist in der Ultralaufszene ein bekannter Name. Besonders bekannt sind seine Deutschland-Umrundung, seine NRW-Umrundung, der Lauf von Hennef nach Assisi und natürlich der TransEurope Lauf.

Nun möchte er sich aus der organisierten Laufszene zurück ziehen und lud daher ein, im Rahmen eines Spendenlaufes der JBH-Institutionen Kinderburg "Veronika Keller" und "Die kleinen Strolche", Siegburg gemeinsam mit ihm zu umrunden. Es sollte langsam gelaufen werden und der Spaß und das Miteinander sollten im Vordergrund stehen.


Die Strecke führte entlang der Siegauen, über den Stallberg bis nach Schreck. Dort ging es dann zur Wahnbachtalsperre und über Braschoß und Seligenthal runter an die Sieg. Eine kleine Rast im Gasthof "Sieglinde" mit einem wärmendem Kaffee brachte Kraft zurück. Entlang des Siegdammes ging es dann vorbei an Hennef zurück nach Siegburg. 

Wahnbachtalsperre

Am S-Carré in Siegburg wurden wir bereits erwartet. Unter lautem Hallo und viel Applaus lief die Laufgruppe ein. Es war eine schöne Runde von ca. 32 Kilometern. Kurzweilige Unterhaltungen war es und viel Spaß hat es gemacht. Ich wünsche Heinz Jäckel alles Gute und bedanke mich noch einmal, dass ich an diesem interessanten Lauf teilnehmen durfte.

Samstag, 19. März 2016

Im Focus: der "Two-Oceans-Marathon"

Es setzt sich immer mehr in meinem Kopf fest: ich würde gerne am "Two Oceans Marathon" teilnehmen! Dieses Jahr ist es etwas kurzfristig und sowohl finanziell als auch organisatorisch nicht zu stemmen, aber für 2017 nimmt es ernsthafte Planungen an.

Grade heute wurde nochmal Wasser auf meine Planungsmühlen gegosssen. Meine Abo-Prämie für das Abo der Runnersworld war heute in der Post. Ein Buch über die 42 schönsten Marathonstrecken der Welt.


Natürlich zählt auch der "Two Oceans" zu den schönsten Strecken. Den genauen Bericht habe ich natürlich als erstes direkt gelesen. Von der wundervollen Landschaft durch die der Lauf geht einmal abgesehen - das wusste ich ja auch schon vorher - lieferte das Kapitel im Buch allerdings einige interessante Hintergrundinfos über die Strecke, die mir vorher so nicht klar waren und die Strecke noch respekteinflösender werden lassen!


Das die Strecke länger als ein normaler Marathon ist, wusste ich bereits. Hier werden keine 42,195km gelaufen. Diese für Läufer magische Zahl wird hier um knapp 14km überschritten! Etwas mehr als 56km ist der Lauf lang und damit ein Ultra. Respekteinflössend finde ich dann die Angaben zum Streckenprofil: mehr als 1500 Höhenmeter Aufstieg und knapp 1435 Meter Abstieg verteilen sich über die Strecke! Dabei gibt es die meisten Höhenmeter erst in der zweiten Hälfte des Rennens. So geht es zum Beispiel am "Chapman´s Peak Drive" (nach der Halbmarathonmarke) auf einem 5km langen Streckenabschnitt mal eben knapp 180 Meter hoch! 

 
Einen ähnlichen Anstieg - nur ein wenig heftiger - gibt es dann auch noch nach der Marathonmarke bei ca. Kilometer 46 am "Constantia Nek" . Hier geht es über 4km knapp 215 Meter hoch! Das wird definitiv beißen und ich plane schon jetzt das Training auf steile Anstiege nach vielen Kilometern auszurichten... ;-)
Die Infos flößen ordentlich Respekt ein vor der Strecke. Dennoch muss der Lauf ein sensationelles Erlebnis sein. Der Rest ist einfach Training...

Samstag, 23. Januar 2016

Ein Lauf mit Rafael Fuchsgruber

Letztes Jahr im April bekam ich das Buch "Running Wild" in die Hand und konnte es nicht mehr weglegen. In einem Rutsch hab ich es damals durchgelesen und eine Buchempfehlung habe ich damals natürlich auch geschrieben: Buchempfehlung Running Wild.

Der Autor Rafael Fuchgruber war dann vor knapp zwei Wochen in unserer Stadt mit einer Lesung bzw. einem Vortrag über das Buch und seine Lauferfahrungen. Natürlich musste ich dahin! Wieder war ich total fasziniert von den Erfahrungen und Erlebnissen und natürlich von den sportlichen Leistungen. Das Buch habe ich mir bei der Gelegenheit natürlich signieren lassen.


Ganz spontan fragte ich Rafael dann, ob er sich vorstellen könnte, mal einen gemeinsamen Lauf zu machen. Wir sind ja beide aus der gleichen Stadt. Überraschenderweise war das überhaupt kein Problem für ihn! "Melde dich einfach mal - wir finden schon einen Termin."

Hat dann auch gar nicht lange gedauert und wir hatten uns für heute verabredet. Er trainiert grade für einen Ultra-Lauf in Sri Lanka und wollte so bis 25km mit Gepäck laufen. Gepäck brauche ich nicht und daher war meine Hoffnung da mit ihm zumindest eine zeitlang Schritt halten zu können. Da der Eisregen hier gestern abend für teilweise stark vereiste Wege gesorgt hatte, wurden aus den 25km dann "nur" 17km. Diese waren aber definitiv sehr kurzweilig. Wir quatschten quasi über Gott und die Welt - im Besonderen natürlich über die Lauferei. Die Zeit verging wie im Flug.  Es war wirklich eine Ehre für mich diese Runde mitgelaufen zu sein. Bestimmt war das auch nicht der letzte gemeinsame Lauf.  Danke, Rafael!


Mittwoch, 30. September 2015

Loch Ness Marathon 2015

Es war fast wie mit Weihnachten: man weiß, dass es kommt und doch ist es plötzlich da! Ungefähr so ging es mir am Freitag, als wir uns nun endlich auf die Reise nach Schottland machten. Die Vorfreude währte beinahe schon ewig, das Training war über 16 Wochen konsequent durchgezogen worden und auch gut gelaufen. Die Reise war geplant (hier nachzulesen) und verlief auch wirklich reibungslos. Lediglich am Flughafen in Aberdeen mussten wir feststellen, dass die Bahnanbindung an den Flughafen nicht so gut war wie erwartet. Dadurch erhielten wir eine zusätzliche Stadtrundfahrt mit dem Bus durch Aberdeen und erwischten einen Zug später in Richtung Inverness. Dort holte uns ein Freund ab, der in der Nähe von Inverness wohnt und bei dessen Familie wir die nächsten Tage untergebracht waren.

Am Samstag hatten wir Zeit die Umgebung zu besichtigen, ehe wir uns auf den Weg nach Inverness in den Bught Park machten, um auf der Marathon-Messe im Start-/Zielbereich die Startnummer abzuholen und für das Rennen einzuchecken. Bei der Pasta-Party gab es neben Kohlenhydraten zu essen auch ein paar interessante Vorträge zu hören.
Startnummerausgabe
Mit meiner Tochter und der Startnummer im Event Village im Bught Park, Inverness
Pasta-Party
Die Nacht zum Sonntag verlief für mich dann eher unruhig. Einerseits wollte ich natürlich den frühen Wecker auf keinen Fall verpassen, andererseits machte sich auch die Aufregung und innere Unruhe wegen des Marathons breit. 

Um kurz nach 7 Uhr kam ich dann am Treffpunkt für die Busse im Bught Park in Inverness an. Nach den ersten paar Schritten sah ich bei einem Läufer eine deutsche Flagge mit Namen Christoph aufgedruckt - ein weiterer deutscher Läufer. Wir kamen ins Gespräch und bestiegen schließlich zusammen einen der zahlreichen Transferbusse. In einer langen Kolonne wurden wir über die Straße am nordwestlichen Loch Ness Ufer in Richtung Startbereich gefahren. Vorbei ging es an kleinen Orten und bekannten Sehenswürdigkeiten wie z.B. Urquarth Castle, bis wir schließlich das Startgebiet Whitebridge erreichten.
Mitten in den Highlands: der Startbereich
Die Läufer finden sich zur Startaufstellung ein
Dort fühlte man sich wirklich wie mitten im Nirgendwo! Kein Haus, kein Schuppen, nur die Weite der schottischen Highlands. Einfach eine traumhaft schöne Kulisse. Erstaunlicherweise standen am Wegesrand aber große Boxentürme, so dass Musik und ein Moderator Stimmung verbreiteten. Vor den zahlreichen aufgebauten mobilen Toiletten bildeten sich schnell lange Schlangen. Auf dem Weg war nicht viel Platz und alles drängte sich, so dass man bald nicht mehr merkte, wofür man eigentlich an stand. So merkten wir erst spät, dass wir nicht für die Toiletten, sondern für die Teeausgabe angestanden hatten...

Kurz vor dem Start, als sich die Läufer schon alle zur Startaufstellung eingefunden hatten, bahnte sich plötzlich eine Pipes&Drums-Gruppe ihren Weg durch die Starter. Für mich einer der Gänsehautmomente der Veranstaltung. Hier wurde mir richtig klar: du bist jetzt hier in den Highlands von Schottland am Start deines ersten Marathons! Darauf hatte ich mich ewig gefreut und nun war der Moment da und die Entenpelle stand wie eine Eins! 

Nach erfolgtem Startschuss dauerte es noch ein paar Minuten aufgrund der teilnehmenden Massen bis ich die Startlinie überquerte. Die hinter der Startlinie Spalierstehenden und Dudelsack spielende Kombo gab wieder eine Gänsehaut beim Vorbeilaufen und schon war ich mitten drin im Lauf. Das Startgebiet Whitebridge liegt auf gut 300 Meter Meereshöhe einige Meilen oberhalb Loch Ness. Zuerst ging es also durch eine wunderschöne Landschaft einige Kilometer weit fast ständig bergab - mal mehr mal weniger steil. Das wußte ich bereits vom Streckenprofil, welches auf der Seite der Veranstaltung einsehbar ist. Nicht aufgefallen war mir der kurze, aber steile Anstieg bei Kilometer 8. Dort ging es in ca 600 Metern wieder knapp 40 Höhenmeter hoch. Dies war praktisch das erste Mal beim Lauf, das man den Puls etwas hochtreiben musste. Vorher war es nur "Easy-Going". Meine Pace hatte ich allerdings absichtlich immer möglichst im Zaum gehalten (bei ca 6:15 min/km), um nicht quasi unbemerkt zu viel Energie zu verschleudern, die mir später hinten raus fehlen würde.
Ich hatte mir vorgenommen an allen verfügbaren Verpflegungsstationen etwas zu trinken und auch die Kohlenhydratzufuhr an den Stationen mit Gels oder Shot-Blocks zu nutzen. Das habe ich auch bis zum Schluss durchgehalten und so hatte ich eigentlich nie das Gefühl zu dehydrieren oder zu wenig gegessen zu haben. Einen kleinen Zwischenfall gab es für mich nur bei der ersten Station mit Gel. Ich griff ein Gel-Päckchen, riss es auf, zog das Gel in den Mund und musste feststellen das hier an der Station kein Wasser verfügbar war! Eine weitere Wasserstation gab es ein paar Hundert Meter weiter. 
Nachdem ich also das zähe Zeug ohne Wasser runter gewürgt hatte, hab ich mir an den späteren Stationen nur noch Shot-Blocks reichen lassen. Die haben eine ähnliche Konsistenz wie Gummibärchen, nur ein wenig weicher. Sie sind dadurch außerdem sehr gut portionierbar und so konnte ich jeweils einen nehmen und dann jede weitere Viertelstunde einen weiteren.

Bei Kilometer 16 ungefähr hat man dann endlich das direkte Ufer des Loch Ness erreicht. Hier hab ich mir auch die Zeit genommen kurz anzuhalten und ein paar Bilder von dem tollen Ausblick zu machen. Das hat mich zwar ein paar Minuten gekostet, war es mir aber durchaus wert!
Endlich direkt am Loch Ness, ca. bei KM 16
Der weitere Weg führt nun immer am Ufer entlang. Dabei ist der Weg wirklich hüglig. Es geht laufend immer wieder kleine Anstiege hoch und auch wieder herunter. Das ist zuerst nicht wirklich stark anstrengend, kostet aber doch einiges an Energie, quasi als schleichender Prozess, ohne das man es zuerst wirklich merkt. Ungefähr bei Kilometer 27 riss mir dann zu allem Überluss noch die Startnummer an der linken Seite vom Startnummerngürtel und fing an an mir herumzubaumeln. Ich war kurz vor Dores. Hier würde meine Frau mit meiner Tochter und unseren Freunden stehen. Also zog ich den Gürtel kurzerhand aus, um ein vollständiges Abreissen der Nummer zu verhindern und trug den Gürtel für knapp 1,5km in der Hand. In Dores fand ich schnell meine Frau. Sie flickte die Nummer mit Hilfe einer Sicherheitsnadel. Auch dieser kleine Stopp kostete mich ein paar Minuten. Dafür war aber die Nummer wieder fest und es bestand keine Gefahr mehr sie komplett zu verlieren und somit vielleicht sogar aus der Wertung zu fliegen. 
In Dores, mit reparierter Startnummer, ca. bei KM 28
Hinter Dores steht der schwierigste Teil der Strecke an. Über eine Strecke von knapp 4 Kilometern erstreckt sich ein Anstieg von ungefähr 70 Höhenmetern. Mit der bisher gelaufenen Strecke von knapp über 30 Kilometern und den ganzen kleinen Hügeln wurde dieser Anstieg zu einer Qual. Nicht zuletzt, weil sich hier am Hang die Sonne anlehnte und nicht wirklich Schottland-typisch Wärme verbreitete. Meine Jackenwahl vom Morgen ("Ist kühl, also die dickere Jacke...") bereitete mir hier auch Probleme und ich zog sie erst einmal aus. An Laufen war bei der Steigung für mich nicht zu denken und ich versuchte einen zügigen Schritt hinzubekommen. Irgendwann war der Anstieg geschafft. Netter- und Originellerweise gratulierte ein Schild am Wegesrand den Läufern zum absolvierten Berg: "Congratulations! You've done it!".
Ungefähr KM 30 - die Steigung von Dores Hill beginnt...
Die ersten Laufschritte nach dem Marsch berghoch taten dann auch ziemlich weh und der gesamte Laufstil fühlte sich mehr als unrund an. Immer mehr Läufer um mich herum wechselten zwischen Gehen und Laufen ab. Auch an ein paar Gefällestrecken ging das Abbremsen im Laufen extrem in die Beine. In der Nähe von Scaniport, ungefähr ab Kilometer 35 gibt es die letzte wirkliche Steigung der Strecke. Hier quälte ich mich auch gehend hoch. Neben mir sah ich ein gequältes Gesicht. Wie sich herausstellte war es Frank aus Manchester. Wir unterhielten uns ein wenig und trieben uns gegenseitig weiter an. Die letzten 5 Kilometer ging es nun durch Inverness. Der Zielbereich war schon zu hören auf der anderen Seite des River Ness! Bei Kilometer 40 ungefähr musste ich noch ein paar Gehschritte einlegen, die Muskeln in den Oberschenkeln fingen an sich wie Beton anzufühlen. Frank konnte nicht aufhören zu laufen und zog winkend davon. Angepeitscht durch die wirklich tollen Zuschauer, die nun immer dichter an  den Straßenrändern standen, gelang es mir aber wieder in den Trab zu kommen. Endlich erreichte ich die Ness Bridge, die den River Ness quert. Ab hier war es nur noch ein knapper Kilometer! Im Pulk der Läufer vor mir tauchte plötzlich Frank wieder auf - gehend. Im Vorbeilaufen klopfte ich ihm auf die Schulter und rief: "Come on, mate! Keep going! You can do it!" Er verfiel in den Trab und wir liefen das letzte Stück gemeinsam und überquerten auch die Ziellinie zeitgleich!
Kurz vor der Ziellinie!
Nach 5 Stunden und 5 Minuten war ich im Ziel. Zwischendurch, als ich merkte das es nicht klappen wird, die 5 Stunden-Marke zu knacken, ärgerte ich mich ein wenig darüber. Vor allem weil ich mit Fotos machen und Startnummernabriß insgesamt locker 7 bis 8 Minuten verplemmpert hatte...

Im Ziel war das allerdings alles vergessen und zweitranging. Der Stolz über den ersten absolvierten Marathon, noch dazu auf dieser anspruchsvollen Strecke, ist einfach stärker. Das wird bestimmt nicht der letzte Marathon gewesen sein!

Finisherfoto vor der offiziellen Fotowand
Zur Veranstaltung selber bleibt zu sagen, dass sie unheimlich gut durchorgansiert ist. Das reicht von den Transfers zum Start mit schier unendlich langen Buskolonnen bis hin zur Verpflegung rund um das Event. Die Leute in Schottland sind absolut freundlich und die Stimmung an der Strecke war sensationell! Die Landschaft die man während des Laufes zu sehen bekommt, tut ihr Übriges den Lauf zu einem unvergesslichen Erlebnis werden zu lassen.

Freitag, 12. Juni 2015

Kompressions-Kleidung

Laufen ist im Grunde genommen ein einfacher Sport: Schuhe an und los! Zumindest für die ersten Schritte und um zu probieren, ob einem der Sport gefallen könnte, braucht man keine spezielle Ausrüstung! Ein paar möglichst gut erhaltene Turnschuhe, ein Shirt und eine bequeme Sporthose reichen vollkommen aus für die ersten Kilometer. 

Gefällt es einem und man möchte den Sport intensiver ausüben, so empfehlen sich aber dann doch die ein oder anderen Goodies beim Equipment. Zu allererst sollten natürlich gute Laufschuhe her - auch dazu habe ich hier ja schon das ein oder andere Mal geschrieben. Ziemlich schnell wird einem dann auffallen, dass das normale T-Shirt aus Baumwolle und die vermutlich ebenso baumwollene Trainingshose binnen kürzester Zeit wie ein nasser Sack am Körper kleben und immer schwerer werden. Sie saugen den Schweiß regelrecht auf wie ein Schwamm.

Funktionskleidung kommt also schnell in den Blickpunkt des versierten Läufers. Diese Kleidung - meist einfach kurz "Laufklamotten" genannt - besteht aus speziellen Materialien und ist so verarbeitet, dass sie zum einen wenig Nähte an reibungsverdächtigen Stellen hat und außerdem den Schweiß vom Körper weg transportiert. Solche Laufklamotten fühlen sich dementsprechend luftig und leicht an, wenn man sie trägt - selbst in verschwitztem Zustand! Außerdem trocknen sie mit einer nicht für möglich gehaltenen Geschwindigkeit! Ob man nun weite Shirts und Hosen oder eben enge (Tights) aus diesem Material trägt, ist Geschmackssache. Ich persönlich mag bei den Hosen definitiv die Tights - da verrutscht nix, zieht sich nicht hin und her und sitzt einfach wie es soll.

Eine spezielle Variante dieser engen Shirts und Hosen sind Kompressions-Tights und -Shirts. Diese sind durch spezielle Materialien so verarbeitet und geschnitten, das sie eine Art leichten Druck auf spezielle Muskelpartien, z.B. in den Oberschenkeln, ausüben. Dies soll zum einen die Muskelaktivität und die Durchblutung fördern und somit zum anderen Ausdauer und Regenerations zuträglich sein. Nun gibt es da schon in Fachkreisen eine ganze Reihe - mitunter leider nicht sehr aussagekräftige - Untersuchungen und Studien zu der Wirksamkeit. Viele sprechen dieser Kompressionsbekleidung den Placebo-Effekt zu, einige weisen knapp eine Wirksamkeit nach. 

Ich habe nun einmal meine erste Kompressions-Tight bestellt und sie bei zwei Läufen getestet. Irgendwie konnte ich mich nicht zu der ziemlich teuren Variante von Asics (je nach Modell ab 59€) durchringen, sondern habe mich für die halb so teure Tight von Kalenji bei Decathlon entschieden. Diese kostete "nur" 29€ - verglichen mit den normalen günstigen Tights von Kalenji für 7 - 12€ immer noch eine Hausnummer!

Modell von Asics für ca. 59€

Modell von Kalenji für 29€

Ich hatte die Hose vorgestern beim Long Run über 2 Stunden und knapp 20km und heute bei einem lockeren, langsamen Lauf über eine knappe Stunde und fast 9km an. Nach also knapp 3 Stunden Tragen der Tight im Training und knapp 30km fällt meine erste Bilanz positiv aus! Ich bilde mir zumindest ein, zum einen beim dem Long Run die Beine nicht so schnell ermüdet zu haben und sogar an Steigungen "besser hochzukommen", sowie auch einen positiven Effekt in der Regeneration zu spüren. Die Beine sind nicht wirklich schwer und selbst der Lauf heute kurz nach dem Long Run ging locker und ruhig vonstatten. Keine müden oder schweren Beine beim Einstieg, die erst einmal warmgelaufen werden müssen.

Ich werde das auf alle Fälle einmal über einen längeren Zeitraum beobachten. Grade jetzt das Marathon-Training ist dafür ja sowieso prädestiniert. Vielleicht gönne ich mir auch mal ein Kompressions-Shirt - obwohl ich bei Shirts eigentlich doch eher auf die etwas weiteren Modelle stehe. Aber wenn´s hilft... ;-)

Dienstag, 21. April 2015

Halbmarathon in Bonn

Der erste Meilenstein dieses Jahr liegt hinter mir - der Halbmarathon in Bonn. Ich hatte diesen Lauf letztes Jahr schon ins Auge gefasst, als ich entschieden hatte beim Loch Ness Marathon 2015 mitzulaufen. Der Halbmarathon im Frühjahr passt da ganz gut als erste längere Vorbereitungsphase.

Ich bin den Halbmarathon in Bonn letztes Jahr zum ersten Mal gelaufen - mein erster Halbmarathon überhaupt. Dieses Jahr dann also der zweite. Schon im Vorfeld wusste ich, dass ich dieses Jahr nicht an die Zeit des letzten Jahres herankommen würde. Irgendwie hatte ich mich schon gedanklich darauf eingestellt, über kurz oder lang noch längere Strecken laufen zu müssen bzw. zu wollen - das scheint irgendwie auf die Gesamtschnelligkeit zu gehen.

Um die Zeit ging es also nicht primär. Gut durchkommen, Spaß haben und an Langstreckenerfahrung gewinnen war das oberste Ziel. Eine Zeit unter 2 Stunden das Sekundärziel. Beides hab ich erreicht. Mit einer Zeit von 1:58h war ich zwar ganze 6 Minuten langsamer als letztes Jahr, aber war dennoch im gesteckten Rahmen.


Mit Sandy - einer Laufkollegin, die ich aus früheren (anderen) Sportarten kenne und die auch sehr gerne läuft - bin ich also Sonntag früh angereist. Halb Bonn ist abgesperrt und die ausgezeichneten Parkplätze für die Teilnehmer liegen etwas ausßerhalb. Wir bekamen aber dort problemlos einen Parkplatz und konnten uns mit in den engen Shuttlebus quetschen. Vor dem Einchecken in die Startboxen trennten sich unsere Wege erstmal, da Sandy über ihre Arbeitsstelle mit in der Firmenwertung gewertet war und wir so in verschiedenen Startboxen loslegen sollten.

Sonnig war es zwar schon, aber noch ziemlich frisch und ich war froh, einen alten Pullover angezogen zu haben. Nach der gefühlten sechsten Startwelle war dann auch meine Box endlich bereit auf die Strecke zu gehen. Ich zog den Pullover aus und warf ihn schnell über ein Absperrgitter. In kurzer Hose und kurzem Laufshirt war es nun doch etwas frisch. Das würde sich aber bald wohl regeln durch die Bewegung, so meine Hoffnung.

Der Startschuss fällt und los geht es! Kaum ist man im Lauftempo angekommen, biegen wir rechts auf die Oxfordstraße ab und laufen über die mit Menschenmassen bevölkerte Kennedybrücke nach Beuel. Sambagruppen und sehr viele Zuschauer stehen am Rand und feuern an. Eine tolle Stimmung! In Beuel gehts über den Konrad-Adenauer-Platz in die Limpericher Straße. Dieser folgen wir (mit wechselnden Straßennamen) über mehr als zwei Kilometer immer geradeaus. Die Zuschauerreihen werden spärlicher, aber immer wieder stehen Schaulustige am Weg. Kurz vor Kilometer vier gibt es einen Wendepunkt. Wir laufen also dem nachfolgenden Tross entgegen und trennen uns an der Rhenusallee. Parallel zum Rhein geht es durch eine größere Seitenstraße wieder zurück nach Beuel.

Es geht kurz unter der Kennedybrücke durch und schon sind wir drei Mal rechts abgebogen und überqueren wieder die Kennedybrücke. Auf der anderen Rheinseite biegen wir in die Römerstraße ab und sind hier wieder umgeben von vielen Zuschauern. Die Stimmung in der Stadt ist echt was Besonderes!

Am Rheinufer erreiche ich kurz vor Kilometer 11 eine Verpflegungsstation und entscheide mich, kurz aufzutanken mit einem Dextro Energy Getränk. Das ging schnell und hat nicht viel mehr als eine halbe Minute schnelleres Gehen gekostet. Weiter gehts am Rheinufer entlang in Richtung Rheinauen. Mit Blick auf den Post-Tower erreichen wir die Petra-Kelly-Allee. Hier sehe ich auf der Gegengeraden in der Masse der entgegenkommenden Läufer kurz Sandy! Sie ist in einem früheren Startblock gestartet und schon ein ganzes Stück vorraus. "Du kriegst mich ein!" ruft sie. Ich frage mich kurz, ob das möglich ist, so hab ich doch aus dem letzten Jahr in Erinnerung, dass es nun ziemlich lang gradeaus geht bis zum nächsten Wendepunkt...

Über die Ludwig-Erhardt-Allee geht es also unter der Autobahnbrücke der A562 hindurch bis fast nach Plittersdorf. Dort ist der nächste Wendepunkt. Kurz danach passiere ich Kilometer 15. Sandy einholen wird wohl nichts mehr, wenn sie nicht auf mich wartet! Sie hatte also fast 4 Kilometer Vorsprung, als wir uns trafen!

Vorbei an den ganzen entgegenkommenden Läufern geht es nun wieder zurück und kurz nach Kilometer 17 erreiche ich den Post-Tower. So langsam merke ich, wie meine linke Wade hart wird. Das Problem ist neu - hatte ich im Training nie. Nachher vermuten wir, dass es mit dem vielen Asphalt und der somit ungewohnt harten Strecke zu tun hat. Daheim laufe ich selten so lange Strecken nur auf Asphalt - meist ist da einiges an Feldwegen und Waldboden dabei. Eine Feststellung, die mir für das anstehende Marathon-Training im Hinterkopf bleibt...

In der Gronau biegen wir kurz nach Kilometer 18 rechts auf den Willy-Brandt-Ring ab. Hier hat die Strecke die Besonderheit, das nur ein Teil dieser Hauptverkehrsader für den Verkehr gesperrt und für die Läufer ausgezeichnet ist. Ein kurzes Stück laufen wir also parallel zum Verkehr. Mit Erreichen der Adenauerallee ist das allerdings schon wieder vorbei - gut!

In der Nähe von Kilometer 19 gibt es die letzte Verpflegungsstation. Hier gönne ich mir ein paar Sekunden Gehen und eine Cola. Der Zucker tut gut! Zuschauer sind jetzt auch wieder in größeren Mengen an der Strecke vorhanden und die Schilder werden auch immer lustiger: "Ist nicht mehr weit - Bier und Sekt stehen kalt" oder "Weck den Kenianer in dir!"

Kaum ist Kilometer 20 erreicht, geht mir durch den Kopf "gleich ist es vorbei" - und einerseits sagt meine Wade, dass das auch gut so ist, andererseits ist die Stimmung auf dem letzten Kilometer durch die Innenstadt wirklich gigantisch. Toll, wie hier scheinbar jeder Läufer angefeuert wird! Schon sind wir auf der Sternstraße und somit auf der Zielgeraden. Auf dem Marktplatz steht der große gelbe Zielbogen und das Kopfsteinpflaster ist mit Post-Werbe-Teppichen abgedeckt. Im Ziel freue ich mich über die Leistung. Ein Blick auf die Laufuhr zeigt: 1:58h. Unterwegs hab ich an den Zwischenzeiten schon abschätzen können, dass es dieses Jahr tatsächlich langsamer ist als letztes Jahr. Die Zielsetzung "unter 2" hat aber geklappt.


Nach Erhalt der Teilnehmermedallie gehe ich erstmal meine Klamotten aufsammeln an der Gepäckstation, ziehe mich kurz um und treffe dann im Verpflegungsdorf Sandy wieder. Sie ist sehr zufrieden mit ihrem Lauf, hat sie sich doch um 10 Minuten verbessert zum Vorjahr! Glückwunsch an dieser Stelle nochmal! Wir lassen den Lauftag dann bei einem Nudelgericht im Zelt der Marathonmesse ausklingen.



Montag, 2. März 2015

Ein langer Lauf am Sonntag

Der Trainingsplan für den Halbmarathon in Bonn ist nur schon über das Bergfest hinaus. So um die 330km sind bereits anhand des Planes absolviert. Alles in allem läuft alles gut - keine Wehwehchen und die Runs lassen sich im Großen und Ganzen wie geplant absolvieren.

Gestern stand der bisher längste Run des Trainingsplans auf dem Programm. Knapp 120 Minuten langsamer Dauerlauf. 21,01 Kilometer sind bei mir dabei zusammen gekommen. Also eigentlich schon ein kompletter Halbmarathon. Das lässt für Bonn einen ganz guten Eindruck zurück - zumal es ja eben auch ein möglichst locker und ruhig gelaufener Run war, ohne Tempo zu machen. Da meine Runden hier in die Heimat auch um einiges bergiger sind als die Strecke in Bonn, ist daher auch mit einer Temposteigerung zu rechnen. Ein Halbmarathon unter 2 Stunden sollte also ziemlich problemlos machbar sein. Im letzten Jahr habe ich bei meinem ersten Halbmarathon in Bonn eine 1:52 gelaufen. Irgendwie fehlt mir dafür aber dieses Jahr die Tempohärte, so dass ich damit rechne ein wenig langsamer zu sein.

Als nächstes steht nun wieder einmal eine Ruhewoche auf dem Plan:


Insgesamt ist es schön zu sehen, wie gut einem mittlerweile die längeren Läufe von der Hand gehen. Man merkt hier sehr stark, das es eben notwendig ist in der Vorbereitung diese langen Läufe zu machen. Für den Marathon in Schottland werden da auch einige noch viel längere Läufe zusammen kommen. Auch plane ich in der Vorbereitung für den "richtigen" Marathon meine Ernährung noch dementsprechend anzupassen, um auch von dieser Warte her möglichst optimal auf den langen Weg vorbereitet zu sein. Dazu werde ich dann bestimmt noch den ein oder anderen Artikel bloggen.

Mittwoch, 25. Februar 2015

Schwierige Streckenverhältnisse

Diejenigen, die regelmäßig Laufen gehen und sich nicht durch "widrige" Wetterumstände davon abhalten lassen kennen es: es kann vorkommen, dass die Strecke beeinträchtigt ist durch nassen Untergrund, Schnee oder Eis oder was einem sonst noch so das Laufen erschweren kann.

Klar ist: davon lässt sich ein richtiger Runner natürlich nicht abhalten seine Runde zu drehen. Grade im Schnee kann es auch unheimlich Spaß machen und Abwechslung bringen! Man passt dann seine Laufgeschwindigkeit dementsprechend an und erfreut sich an der Variation der Strecke.

Für mich gibt es eigentlich nur einen streckentechnischen Grund einen Lauf abzubrechen oder eben gar nicht erst anzufangen. Ist bei mir auch erst zweimal vorgekommen. Extremes Glatteis ist nicht nur ziemlich gefährlich, wenn es wirklich spiegelblank ist, ist an richtiges Laufen sowieso nicht mehr zu denken.

Heute hatte ich einen 60-minütigen lockeren Lauf auf dem Programm stehen. Das Wetter sah sonnig aus, quasi keine Wolke am Himmel, Temperatur ca. 3° Grad Celsius und die Straßen wirkten auf den ersten Blick hauptsächlich erstmal nass. Kein Wunder - sah es vorgestern morgen bei uns denn noch so aus:


Der Schnee ist zwar zu 98% wieder weg, das Tauwasser läuft aber überall in ziemlich großen Mengen über die Wege und Straßen. Eine gefährliche Mischung wie ich feststellen musste! So wurde ich immer da wo die Strecke im Schatten lag von rutschigen Stellen überrascht. An einigen Stellen war es regelrecht blank. Man musste aufpassen wie ein Luchs und sich möglichst die in der Sonne liegenden Bereiche aussuchen, wenn man denn die Wahl hatte. Ich hab dann einen Großteil der Runde in den Wald verlegt und konnte dort bis auf einige matschige Stellen gut laufen.


So heimtückisch wie heute hab ich es selten erlebt muss ich sagen. Klar, wenn es kalt draßen ist und gefriert ist es gar keine Frage dass es glatt werden kann. Aber die Mischung heute aus Temperaturen im Plusbereich, Tauwasser auf den Wegen und offensichtlich sehr niedrigen Temperaturen in Bodennähe war doch etwas ungewöhnliches und hat mich überrascht. Alles in allem war es dann aber doch eine schöne und erfrischende 10km-Runde bei insgesamt doch herrlichem Wetter.

Montag, 16. Februar 2015

Trainings auslassen?

Vor ein paar Tagen kam die Frage auf, ob man nicht ein Training splitten kann. Sprich: man unterteilt einen langen Lauf in z.B. 17km an einem Tag und 8km am nächsten Tag, statt 25km am selben Tag zu laufen. Rein aus Sicht der Effektivität her gesehen ist es natürlich ein Unterschied, ob man den Körper an die Belastungen gewöhnt diese langen Strecken eben am Stück zu bewältigen. Eine Pause von ein paar Stunden macht da natürlich eben doch einen Unterschied aus! Grade in der (Halb-)Marathon-Vorbereitung sind die Longruns essentiell und die langen Läufe unverzichtbar.

Grundsätzlich muss ich sagen ist das natürlich alles eine Frage der Professionalität. Nicht bös gemeint und den der unterteilt als "Nicht-Profi" abgetan, nein - eher wirklich wörtlich gemeint! Wir Hobbyläufer vereinbaren unser Alltags- und eben auch Berufsleben mit dem Laufen. Also kann es durchaus vorkommen, das es sich nun einmal nicht anders einrichten lässt und ein Training einmal aufgeteilt werden muss oder im schlimmsten Fall sogar ausfallen muss, weil es einfach nicht in den Tagesplan passt.

Bei mir war es bedingt durch Karneval und damit verbundene Termine gestern auch soweit, dass ich den eigentlich 100 Minuten langen Longrun auf 85 Minuten kürzen musste, um den Lauf noch ins Tageszeitfenster einpassen zu können.


Professionelle Läufer sind die absolut wenigsten hier bei uns im Lande. Die wenigsten verdienen damit ihr Geld und können dann ihren Tagesablauf ans Training anpassen. Natürlich gibt es dennoch viele leistungsfähige und passionierte Läufer, die ihr Training auf hohem Niveau betreiben. Vermutlich wird es auch da viele geben, die ihren Tagesablauf ins Training einpassen und nicht umgekehrt.

Man muss allerdings da auch realistisch bleiben. Grade als Läufer der 10km-Zeiten von 45min aufwärts bzw Marathon-Zielzeiten von 4 Stunden oder mehr hat. Ein Training ausfallen zu lassen oder zu splitten ist bei diesen Zielzeiten auch weitaus weniger "schlimm" als vielleicht bei oben genannten Athleten. Es darf sich natürlich kein Schlendrian einstellen und der innere Schweinehund sabotiert nachher schneller als gedacht die eigene Motivation, aber ein gesplittetes Training sollte einem da kein allzu schlechtes Gewissen machen. 

Montag, 26. Januar 2015

Long Run mit den SpeedCross 3CS

Gestern stand ein langer Lauf auf dem Plan. Knapp zwei Stunden in gemäßigtem Tempo. Da es Samstag noch wie wild geschneit hatte, lag auch noch am Sonntag Vormittag einiges und viele Wege waren nicht geräumt. Festgetrampelter Schnee und Schneematsch bedeckten noch viele Wege - hauptsächlich auf den Nebenstraßen und auf den Fußgängerwegen war anscheinend meist gar nicht geräumt worden. Hier ein kurzes Video, auf dem man die Bedingungen ganz gut sehen kann:



Für solche Wetterverhältnisse habe ich die Salomon SpeedCross 3CS. Eigentlich als Trailschuhe gedacht, bieten sie bei Schnee und Matsch einen tollen Grip. In der CS-(ClimaShield)-Variante sorgen sie außerdem dafür das die Füße nicht nass werden und dennoch gut belüftet sind. Eine tolle und wichtige Sache bei so einem langem Lauf und solchen Temperaturen!


Das grobstollige Profil krallt sich richtig in den Untergrund und man rutscht selbst auf ziemlich schlammigen oder stark verschneiten Abschnitten kaum. Ich bin selten einen Schuh mit besserem Grip gelaufen! Der Vorteil der groben Stollen ist allerdings auch gleichzeitig ein Schwachpunkt des Schuhs. Läuft man viel Asphalt, reiben die Stollen nämlich recht  schnell ab. Die Schuhe sind einfach nicht dafür gemacht. Auch bei meinen sind die Stollen schon ziemlich angegriffen. Allerdings wie ich finde noch im Rahmen nach knapp über 450km, die die Schuhe nun hinter sich haben. Auch hat der Grip noch nicht merklich nachgelassen. Dennoch sieht man gerade an den Fersenstollen deutlich den Abrieb:


Ebenfalls sehr angehm an diesem Schuh ist das Schnellschnürsystem, welches klassische Schnürsenkel ersetzt. Zuerst war ich ob des dünnen nylonartigen Seils etwas skeptisch. Könnte es sein, das das nicht lange hält und schnell reißt? Bisher wurde ich allerdings eines besseren gelehrt! Funktioniert einwandfrei und sitzt schön fest. Das Zugsystem wird fest an den Fuß gezogen und mittels eines kleinen Plastikschiebers fixiert. Damit nichts herum schlabbert beim laufen, besitzt die Lasche des Schuhs eine kleine Tasche, in die man den abstehenden Rest des Schnürsystems verstauen kann. Sowas würde ich mir eigenlich an jedem Laufschuh wünschen! Ein Nachteil dieses Systems ist vielleicht für Wettkampfläufer erwähnenswert: durch das "geschlossene" System ist es natürlich nicht möglich auf herkömmlichen Weg Zeitmesschips an der Schnürung zu befestigen. Dazu muss man sich dann mit Kabelbindern oder Ähnlichem behelfen.


Die SpeedCross haben gestern jedenfalls wieder einmal ihr Stärken ausgespielt und ich konnte den Lauf sehr gut hinter mich bringen. Dennoch waren die knapp 20km, die gestern zusammen kamen, ziemlich anstrengend. Das Laufen auf Schnee oder Matsch ist doch noch mal eine zusätzliche Belastung für die Beine und man läuft die ganze Zeit sehr aufmerksam und verspannt sich vielleicht auch mehr als bei trockenem, einwandfreiem Wetter. Mir hat es trotzdem wieder einmal sehr viel Spaß gemacht!

Sonntag, 18. Januar 2015

Treibjagd!

Hin und wieder gibt es trifftige Gründe die geplante Laufstrecke zu variieren. Ich hatte da schon einige erlebt bisher: umgestürzte Bäume blockieren den Weg, Weg aufgrund Eis oder Schlamm nahezu unpassierbar, Dunkelheit, zuviel Verkehr um nur ein paar Gründe zu nennen. Heute habe ich einen neuen Grund kennen gelernt: ein Warnschild vor einer Treibjagd!


Am heutigen Sonntag stand ein Long Run an. Knapp 110 min in gemäßigtem Tempo. Beim letzten Long Rund hatte mir Eis das Tempo stark eingebremst. Heute war zwar stellenweise noch der Weg wie gepudert von Schnee, der in der Nacht gefallen war - es war aber keineswegs glatt. Tolle Vorraussetzungen bei schön klarer Luft für einen tollen Run!

Ich entschied mich daher für eine ausgedehnte Runde in die Nachbargemeinde. Auf dem Rückweg wollte ich dann einen Umweg nehmen, der mich durch ein von mir gern belaufenes Waldgebiet führt. Eingangs des Feldweges dahin stand dann oben abgebildetes Schild. Kurz überlegt: soll ich oder soll ich nicht? Die Vernunft siegte :) Ich wollte weder auf ein aufgeschrecktes, gejagtes Wildschwein treffen noch auf irgendeinen ballergeilen Lodenrambo...

Auch an anderen Zugängen zu dem Waldgebiet fanden sich dann noch diese Warnschilder. Offensichtlich ist mein Laufgebiet auch Jagdgebiet. Ich habe dann noch ein paar andere Umwege im Dorf gefunden und so auf Waldwege für den heutigen Lauf verzichtet. Am Ende kamen ca 18,5km zusammen. War ein schöner Lauf - trotz der ungeplanten Streckenvariation.

Sonntag, 4. Januar 2015

Ein herrlicher Lauf mit Eis

Auf dem Trainingsplan meines Halbmarathon-Trainings stand heute der erste Long Run. 100 Minuten und ziemlich langsam gelaufen. Als Pace gab der Plan eine 6:07 vor. Normalerweise habe ich - wie ja in anderen Posts schon erwähnt - so meine Schwierigkeiten die Paces zu treffen und bin oft schneller unterwegs.

Als ich heute vormittag vor die Tür trat um den Lauf zu beginnen, überlegte ich auf den ersten Metern auf unserer privaten Seitenstraße tatsächlich, ob ein Lauf zu diesem Zeitpunkt überhaupt Sinn macht. Es hatte gestern abend mal wieder geschneit. Allerdings kein schöner Pulverschnee, sondern direkt recht pappig und nass. Über Nacht war dann viel davon erst angetaut und geschmolzen und dann überfroren. Die Straße sah so aus:


Nach den ersten vorsichtigen Schritten hatte ich dann die Hauptstraße durch unseren Ort erreicht und befand, dass ich es ja probieren könnte. Auf der Hauptstraße ging es ziemlich problemlos. Nur in den Nebenstraßen sah es dann ähnlich aus wie bei uns. Ich habe mich dann auf meine Sonntagsrunde in die Nachbargemeinde gemacht und diese Runde dann noch etwas ausgeweitet. Alles in allem war es ein herrlicher Lauf. Manchmal gab es eine Schrecksekunde, wenn es plötzlich wieder eine glatte Stelle hatte. Da aber auch die Sonne immer intensiver wurde, war zumindest auf dem Rückweg der Runde die meiste Zeit ein lockeres Laufen möglich.



Bei dem Lauf hab ich dann eine Strecke von 16.63km zurück gelegt. Damit war ich dann in der Pace auch nur unwesentlich schneller als der Trainingsplan. Also alles gut!